Geschichte des Postamts Wiltz

Nach dem Zusammenbruch von Napoleons Kaiserreich, wurde durch den Wiener Kongress von 1815, Luxemburg, Département des Fôrêts genannt, und dem holländischen König Wilhelm I. als Privateigentum zugesprochen. Als König der Niederlande war Wilhelm I. auch Großherzog von Luxemburg. Luxemburg war noch nicht auf seine heutigen Grenzen reduziert, sondern war ein bedeutend größeres Land als heute. Im Jahre 1786 bestanden 2 Hauptpostbüros: Luxemburg und Sankt Vith. Mit Luxemburg waren 18 Orte verbunden, wovon noch 6 im heutigen Großherzogtum gelegen sind. An Sankt Vith waren 16 Orte angeschlossen, wovon heute keiner mehr zu uns gehört.

Am 02.12.1824 beschwerte sich der Stadtrat von Wiltz beim Gouverneur über den Missstand, dass die von Regierungsseite abgeschickten Postsendungen erst 15 Tage später in Wiltz ankämen. Die Wiltzer Verantwortlichen schlugen vor, die Korrespondenz über das Postbüro in Bastnach laufen zu lassen. Alle 2 Tage würde ein Postbote die Briefe hier abholen. Gleichzeitig würde er die Briefumschläge der Gemeindeverwaltung und der Wiltzer Geschäftsleute beim Postvorsteher von Bastnach abliefern. In seiner Antwort vom 21.12.1824 bittet der Gouverneur die bestehenden Modalitäten nicht vor einer offiziellen Entscheidung abändern zu lassen.

Am 17.10.1825 unterbreitete der Gouverneur dem Bürgermeister seine Vorstellungen zwecks Verbesserung des Postdienstes in Wiltz. Er strebe eine tägliche Verbindung, hin und zurück, zum Postbüro von Bastnach an. Dieselben Verbindungen sollten mit dem neu zu schaffenden Postbüro in Diekirch entstehen. Er bittet den Bürgermeister, Preisangebote von Bewerbern für das Amt eines Briefträgers einzusammeln. Bei finanziell günstigen Angeboten hoffe er, diesen doppelten Postdienst für Wiltz verwirklichen zu können. Schon kurze Zeit später, am 02.11.1825 sandte Jacques Spedener, Bürgermeister von Wiltz, der Regierung eine Aufstellung mit Bewerbern und deren Ansprüchen.

Am 17.05.1827 schlug der Bürgermeister den Uhrmacher Jos. Spedener für das Amt eines Postboten vor, als er erfuhr, dass der König den Wünschen der Gemeindeverwaltung entsprochen habe. Der 01.07.1827 wird allgemein als Geburtstag des Wiltzer Postbüros angesehen. Eine Verordnung vom 24.07.1827 bestimmte die Austragungsrunden. Wiltz war ein Verteilerbüro. Damals gab es acht dieser Büros im Lande. Normalerweise ging damals der Postbote einmal pro Woche in jedes Dorf, in verschiedene Dörfer auch zweimal.

Die Stadt Wiltz wurde viermal bedient. Die Titulare dieser Büros erhielten noch kein Staatsgehalt. Von jedem Brief den sie verteilten, bekamen sie 5 holländische Cents, von jedem Brief, den sie in ein anderes Postbüro brachten, 2,5 Cents. Für jede Ortschaft wurde eine Amtsperson bestimmt, bei der der Briefträger vorstellig werden musste. Es handelte sich meistens um den Bürgermeister oder den Steuerbeamten.

Am 09.06.1830 macht der Gouverneur den Bürgermeister darauf aufmerksam dass sich verschiedene Einwohner über den Postdienst beklagt hätten. Verspätungen beim Zustellen der Postsendungen sollten künftig unterbleiben. 5 Cents sind ja bekanntlich beim Abliefern eines Briefes in der Post zu zahlen. Der Gouverneur regt das Aufstellen eines Briefkastens an. Mit dem Brief konnten zugleich die 5 Cents hineingeworfen werden.

Am 16.07.1836 zog der Postkommissar Erkundigungen über einen gewissen Herrn Koener ein. Koener strebte nämlich das Amt eines Landbriefträgers an. Am 29.10.1836 machte der Gouverneur dem Bürgermeister die Mitteilung über die Schaffung eines Postverteilerbüros in Clerf. Er solle ihm 2 Anwärter für die Strecke Wiltz-Clerf vorschlagen. Dieser Dienst müsse täglich stattfinden. Gleichzeitig laufe der Postdienst zwischen Wiltz und Luxemburg in beiden Richtungen weiter. 1841 gab es zwei Briefträger auf dieser Strecke. Mit Abfahrt am Montag, verrichtete Josef Bix jede Woche seinen Dienst. Mittwochs macht ein gewisser Bourg sich nach Luxemburg auf den Weg. Beide bezogen Quartier in Luxemburg im Hause Heuertz am Getreidemarkt. Samstags trat Bourg die Heimreise an.

Das am 01.07.1827 unter holländischer Herrschaft geschaffene Verteilerbüro in Wiltz, von Bastnach abhängig, blieb so auch unter der belgischen Postverwaltung zwischen 1830-1839 bestehen. Bei der Übernahme des Postwesens durch die luxemburgische Verwaltung wurde am 01.07.1839 Wiltz als Grenzbüro in direkter Verbindung zum Postbüro von Bastnach eingesetzt. Wiltz war zuständig für die gegenseitige Übermittlung des Briefverkehrs zwischen Belgien und den Kantonen Clerf und Wiltz. Dieser Zustand wurde durch eine in Den Haag am 24.04.1842 unterzeichnete Konvention bestätigt. Ab dem 23.07.1839 war das Wiltzer Büro an Diekirch angeschlossen. Ein am 03.08.1839 von Bastnach nach Clerf abgesandter Brief machte deutlich, dass der direktere, also kürzere Weg für Postsendungen nicht immer eingehalten wurde. Dieser Brief gelangte von Bastnach über Arlon, Luxemburg, Diekirch, Wiltz, nach 160 km nach Clerf. Der rechtlich vorgeschriebene Weg hätte nur 35 km betragen.

Im Juli 1839 funktionierten bei uns im Lande, das zu dieser Zeit bereits seine heutigen Grenzen aufwies, 10 Postbüros. 21 Personen waren mit der Briefverteilung betraut. Drei Jahre später, im Dezember 1842, gab es schon 12 Postämter, 4 Perzeptionen, denen 8 Distributionen unterstanden. 35 Beamte waren hier beschäftigt. Es handelte sich um 5 Stadt- und 30 Landbriefträger. Diese Zahl hatte sich also in dem kurzen Zeitraum von 3 Jahren beinahe verdoppelt. Daraus ließe sich schlussfolgern, dass das Briefeschreiben bedeutend zugenommen hat. Dies wiederum bedingte eine bessere Organisation der damaligen Briefverteilung.

Die eigentliche Luxemburger Postverwaltung wurde 1842 geschaffen. Am 20.08.1842 wurde das Postamt in Wiltz zur Perzeption erhoben. Hier dienten 1 Stadt- und 5 Landbriefträger. Von Wiltz aus bekamen 11 Orte ihre Postsendungen. Es waren dies Goesdorf, Neunhausen, Esch/Sauer, Winseler, Oberwampach, Mecher, Bauschleiden, Harlingen, Alscheid, Wilwerwiltz und Eschweiler. 1845 wurde der Bürgermeister Jacques Spedener zum Postperzeptor in Wiltz ernannt. Nach seinem Tode 1847 bekleidete seine Gattin Anne Marie Frangoise Rischard den Posten ihres Gatten, den sie bis 1874 innehatte. Frau Rischard war wahrscheinlich die einzige Dame im Amte eines Postperzeptors. Vor Spedener wurde dieses Amt von mehreren holländischen und belgischen Beamten bekleidet.

Vom 10.12.1849 bis zum 05.02.1853 galt Wiltz als „Relais de la poste aux chevaux" für die Strecke Diekirch - Wiltz - Bastnach. Seit dem 1. Januar 1850 besteht die tägliche Verteilung der Postsendungen in allen Ortschaften des Landes. Die Zahl der Briefträger stieg auf 49 an.

1852 erschienen die ersten Luxemburger Briefmarken.

Durch Großherzoglichen Beschluss vom 29. August 1865 wurden alle Distributionsbüros von den Perzeptionen unabhängig gemacht. Diese Maßnahme wurde getroffen, um diesen Büros zu gestatten, in direkten Verkehr mit allen ausländischen Büros treten zu können.

Im Jahre 1867 bestanden 19 Perzeptionen, sowie 12 Relais. Aus folgendem Verzeichnis geht hervor, welche Ortschaften, Höfe, Mühlen sowie einzelne Häuser vom Postbüro von Wiltz aus bedient wurden. Es waren dies Allerborn, Alscheid, Baraques sur le Route, Baraques pres du Freckbusch, Baraques sur la Wiltz, Baraques sur la Harderbach, Baschleiden, Bavigne (Boeven), Bellevue (Harlange), Berlä (Berl), Birkenhof, Bockholtz (Goesdorf), Boewen, Bonnal (Bommel), Boulaide (Bauschleiden), Brachtenbach, Budersberg, Closmühl, Dahl, Derenbach (Oberwampach), Doncols, Dunckroth, Erpeldange (Eschweiler), Eschpelt, Fouhrmann, Freckbusch, Gefagmühl, (Mecher), Grummel scheid, Harderbach, Harlange, Heispelt, Hoelsterhaesgen, Houton (Moulin), Insenborn, Kaan, Kahn, Kailerhof, Kaundorf, Kautenbach, Kleinhoscheid, Kobenbour, Koenerhof, Lameschmühle (Wiltz), Lawershaesgen, Liefrange, Lieffringermühl, Maisons isolees (Boulaide), Masseler, Mecher.

Es sei noch festgehalten, dass der in Wiltz am 03.04.1796 geborene Jean Ulveling, Luxemburg als Kommissar bei den internationalen Postkonferenzen von Dresden 1847, von Berlin 1851 und von Wien 1855 vertrat.

Die wichtige Stellung, die das Postbüro von Wiltz für den Norden des Landes seit jeher eingenommen hat, besteht auch in unserer Zeit weiter. Am 25.04.1972 wurde Wiltz zu einem Bureau de Poste Principal erhoben. Ein Postperzeptor leitet das Büro.